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Südbrandenburg im Wandel: Lausitz, Seenland und das Leben nach der Kohle

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Wer durch den Süden Brandenburgs fährt, sieht Landschaft im Umbau: Wo früher Bagger Braunkohle förderten, liegen heute Seen. Der Wandel dauert an, und er betrifft Arbeit, Ortsbilder und Zukunftspläne vieler Menschen.

Vom Tagebau zum Seenland

Die Lausitz ist über Jahrzehnte vom Braunkohlebergbau geprägt worden. Ehemalige Tagebaue wurden geflutet und bilden heute das Lausitzer Seenland. Der Senftenberger See ist ein Beispiel dafür: Er entstand vor Jahrzehnten aus einem früheren Tagebau. Was einmal Grube war, ist heute Erholungsraum mit Wasser, Ufern und Radwegen.

Die Umgestaltung war auch ein Projekt der Planung: Zwischen 2000 und 2010 lief die Internationale Bauausstellung Fürst-Pückler-Land, kurz IBA. Sie diente dazu, Ideen für die Bergbaufolgelandschaft zu entwickeln und sichtbar zu machen. Wie eine Landschaft nach dem Bergbau aussehen kann, ist also keine Frage, die sich von selbst beantwortet, sondern eine, über die diskutiert und entschieden wurde.

Der Süden im Landkreis Oberspreewald-Lausitz

Ein Teil dieser Region gehört zum Landkreis Oberspreewald-Lausitz, dessen Kreisstadt Senftenberg ist. Zum Landkreis zählen unter anderem Lauchhammer, Schwarzheide, Ortrand, Ruhland, Schipkau, Großräschen, Calau sowie Lübbenau/Spreewald und Vetschau/Spreewald. Im Süden grenzt der Kreis an Sachsen. Das ist mehr als eine Landesgrenze: Die Lausitz reicht über beide Länder, und Alltag, Pendlerwege und Landschaft folgen ihr nur teilweise.

In der Niederlausitz lebt zudem die sorbische/wendische Minderheit. Zweisprachige Ortsnamen erinnern daran und gehören zum Bild der Region. Der Spreewald ist als UNESCO-Biosphärenreservat geschützt. Das ist ein anderes Bild von Südbrandenburg als das der Tagebaue, und beide gehören zusammen.

Was Strukturwandel bedeutet

Strukturwandel klingt abstrakt, heißt aber sehr konkret: Wenn ein Wirtschaftszweig an Bedeutung verliert, verändern sich Arbeitsplätze, Ausbildung, Steuereinnahmen der Gemeinden und das Selbstverständnis eines Ortes. Für die Kohleregionen ist der Rahmen politisch gesetzt: Der Kohleausstieg soll in Deutschland spätestens 2038 abgeschlossen sein, so hat es ein Gesetz von 2020 festgelegt. Zugleich stellt der Bund den Kohleregionen Mittel für den Strukturwandel zur Verfügung, geregelt im Strukturstärkungsgesetz von 2020.

Ob das gut oder schlecht ist, wird unterschiedlich bewertet. Hier geht es nicht um ein Urteil, sondern um das Verständnis: Die Rahmenbedingungen kommen von Bund und Land, die Umsetzung passiert vor Ort, in Kreisen, Städten und Gemeinden. Und dort entscheiden gewählte Vertretungen mit, wofür Geld und Flächen eingesetzt werden.

Neue Standbeine der Region

Die Region setzt nicht nur auf Landschaft. In Cottbus und Senftenberg gibt es mit der BTU Cottbus-Senftenberg eine Universität, die Forschung und Ausbildung in die Region bringt. 2024 kam in Cottbus die Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem hinzu. Schwarzheide ist als Chemiestandort bekannt. Zusammen mit Tourismus am Wasser und im Spreewald ergibt sich ein Mosaik unterschiedlicher Perspektiven.

Wie sich diese Bausteine für einzelne Orte auswirken, ist offen. Manche Gemeinden liegen am Wasser, andere nicht, manche haben Industrie in der Nähe, andere pendeln. Deshalb lohnt der Blick auf den eigenen Ort: Was gibt es hier, was fehlt, wer entscheidet?

Wo Sie sich vor Ort einbringen können

Strukturwandel ist kein Vorgang, der irgendwo „oben“ stattfindet. Viele Entscheidungen fallen in der Kommune, und dort können Sie mitreden:

  • Gemeindevertretung oder Stadtverordnetenversammlung: Sie beschließt Bebauungspläne, den Haushalt und die Nutzung von Flächen. Sitzungen sind in der Regel öffentlich.
  • Kreistag: Er entscheidet über Themen, die mehrere Gemeinden betreffen, etwa Nahverkehr oder Schulen in Kreisträgerschaft.
  • Bürgerbeteiligung in der Planung: Wenn Bebauungspläne oder andere Planungen ausgelegt werden, können Sie Stellung nehmen. Achten Sie auf die Bekanntmachungen und die Fristen.
  • Vereine und Initiativen: Heimat-, Sport-, Kultur- und Umweltvereine gestalten das Leben vor Ort und haben oft einen guten Draht zur Verwaltung.
  • Kandidatur: Wer mitentscheiden will, kann bei der nächsten Kommunalwahl antreten. Wählen dürfen schon Jugendliche ab 16.

Wie die kommunalen Ebenen zusammenhängen, erklärt Kreistag, Amt, Gemeinde: Kommunalpolitik in Brandenburg verständlich. Wenn Ihr Anliegen über den Ort hinausgeht, können Sie sich an Ihre Landtagsabgeordneten wenden, wie es Abgeordnete kontaktieren: Bürgerbüro, Sprechstunde und wie Ihr Anliegen ankommt beschreibt.

Was Wandel für Orte und Menschen heißen kann

Strukturwandel zeigt sich nicht nur in Statistiken, sondern im Ortsbild und im Alltag. Wenn Menschen ihre Arbeit wechseln oder in andere Regionen ziehen, verändern sich Vereine, Schulen, Geschäfte und Nachbarschaften. Gleichzeitig entstehen neue Angebote: Wege am Wasser, Ausbildungsplätze, Orte, an denen Gäste übernachten. Für Gemeinden bedeutet das, Entscheidungen über Flächen, Verkehr und Infrastruktur zu treffen, oft mit begrenztem Geld und vielen Wünschen.

Für Sie als Einwohnerin oder Einwohner heißt das: Ihre Erfahrung zählt. Sie wissen, welche Verbindung fehlt, welcher Treffpunkt wichtig ist und was sich im Ort verändert hat. Diese Kenntnis ist in Planungen wertvoll, und sie kommt dort an, wo Sie sie einbringen, in einer Sitzung, einer Stellungnahme oder einem Gespräch mit Vertretern Ihrer Gemeinde.

Auch Jüngere haben dabei eine Stimme. Bei Landtags- und Kommunalwahlen in Brandenburg dürfen schon 16-Jährige wählen. Schulen, Jugendclubs und Vereine können Orte sein, an denen junge Menschen erleben, wie Entscheidungen im Ort zustande kommen, und wo sie eigene Ideen für ihre Heimat einbringen.

Hinschauen, Fragen stellen

Das Bild der Region ist vielschichtig: Landschaft im Wandel, Menschen mit langen Erwerbsbiografien in der Kohle, andere mit neuen Berufen, Zugezogene und Alteingesessene, Sorben und Wenden, Gäste am Wasser. Wer sich beteiligen will, muss dafür keine Meinung zum Kohleausstieg haben. Es reicht, dass Ihnen Ihr Ort wichtig ist.

Ein guter Anfang sind einfache Fragen an die Verwaltung und die Vertretung: Was ist für unseren Ort geplant? Wer entscheidet darüber? Bis wann kann ich mich äußern? Die Antworten zeigen, wo Ihre Stimme gebraucht wird. Und wer einmal gesehen hat, wie ein Tagebau zum See werden kann, weiß: Landschaften und Orte verändern sich, und Menschen gestalten das mit.

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